Mobile Sommeroper in Prenzlau

Ba-Ta-Clan von Jaques Offenbach

Am 26.08.22, 20:30 Uhr sowie am 27.08.22, 20:30 Uhr präsentieren das teatreBLAU sowie das Preußische Kammerorchester im Friedgarten des Dominikanerklosters Prenzlau die Oper Ba-Ta-Clan von Jaques Offenbach.

 

Wie passen eine Offenbachiade und die digitale Welt zusammen? Kann eine Oper wie „Ba-Ta-Clan“ heute noch ein Publikum begeistern? Was hat die Geschichte der Oper heute mit uns zu tun?


Die Figuren in der Originalfassung von „Ba - Ta - Clan“ leben ein Leben, welches ihnen nicht gefällt und an einem unerwünschten Ort. Auf der Suche nach dem Glück geraten sie in eine Welt, in die sie eigentlich nicht gelangen wollten. Sie sind Franzosen und ihr Glück hat sie irgendwann, fast ungewollt, in ein fernöstliches Land geführt. Nur unterscheidet sich der Ort, an den sie geraten sind, sehr von dem, den sie sich ersehnt haben. In der neuen Fassung wird diese ursprüngliche Idee beibehalten: Die Hauptfiguren - nach Offenbachscher Art bitterböse gezeichnet - streben nach neuen Erfahrungen, nach Erfolg und Macht und wünschen sich in eine andere Welt. Sie werden uns erzählen, wie ihr Ehrgeiz sie dazu gebracht hat, Grenzen zu überschreiten und unbekannte Meere zu befahren, um die neuen Möglichkeiten zu finden, die ihnen ihr „Heimatland“, in dem sie unglücklich sind, verwehrt hat. Aber was wäre, wenn diese Grenzen, diese unbekannten Meere, dieses Heimatland virtuell wären? Was wäre, wenn die gewünschte Realität eine virtuelle Welt wäre, in die sie sich hinein wünschen? Weil dort alles einfacher, bunter, leichter ist - und man alles verändern kann? Die Figuren werden in eine Art Virtual-Reality- Videospiel hineingeraten, in dem sie, wie in der Originalversion, ebenfalls über das Meer segeln, in diesem Fall das virtuelle Meer. Einmal im Videospiel angekommen, fühlen sie sich gefangen, da sie fernab der Realität ihr Hauptziel nicht erreichen können: glücklich zu sein. Sie haben ihre Heimat verlassen, weil sie sich unglücklich fühlten und erfahren in den unbegrenzten Möglichkeiten, dass ihnen doch etwas Entscheidendes fehlt.

 

Die geniale Musik Offenbachs wird neu arrangiert, umgeschrieben und modernisiert; ihr Witz, der Charme und die Schönheit werden noch verstärkt. Durch die Einbeziehung von Synthesizer und Drumset (im Zusammenspiel mit 12. Streichern) wechselt diese Fassung facettenreich die Stimmungen und Stile. Geradezu rockige Teile vermischen sich mit klassischer und romantischer Diktion; Tobias Leppert wird dafür mit dem Dirigenten Jürgen Bruns und dem Soundkünstler Julio Árcala Fanti zusammenarbeiten. Die Vermischung der Welten findet auch hier statt und die Musik begibt sich in neue Dimensionen. Das Bühnenbild besteht aus 4 Videoprojektoren, Licht und Computeranimationen, die auch das Kostümbild der Figuren bestimmen. Die Figuren sollen in die für sie programmierten Welten ein- und aussteigen können und diese auch in ganz unterschiedlichen Perspektiven wahrnehmen. Die Ästhetik der Mangas und des Computerspiels wird in der Inszenierung der analogen Welt gegenüber stehen. Hiermit verbindet teatreBLAU die historische Welt des Offenbachschen Musiktheaters mit den Welten, von denen viele junge Menschen fasziniert sind. TeatreBLAU möchte hier eine Brücke schlagen und auch in Workshops junge Menschen in die Kreation der virtuellen Bühnenwelten mit einbeziehen.


Die Neufassung von Ba-Ta-Clan ist das Pilotprojekt von teatreBLAU aus der Reihe „Moving Rural Opera“. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit dem Preußischen Kammerorchester, dem Dominikanerkloster Prenzlau und BL-Arts en Viu durchgeführt. In diesem ersten Projekt entwickelt das spartenübergreifende Team aus Musikern, Videokünstlern, Sängern, Bühnen- und Kostümbildnern, Textern und Regisseuren eine neue Form des Musiktheaters. Die digitalen Mittel werden sowohl im Probenprozess (Nutzung der Digital Stage) als auch in den Aufführungen eine große Rolle spielen. Gemeinsames Entwerfen über die Landes- und Stadtgrenzen hinaus, neue Musikstrukturen, damit verbunden neue Formen der Darstellung in der Aufführung und die Entwicklung eines mobilen Musiktheaterkonzeptes welches ganz unterschiedliche Räume in Theater verwandeln kann sind die Kernpunkte der Idee.

 

teatreBLAU produziert in Kooperation mit unterschiedlichen Kulturinstitutionen deutschlandweit spartenübergreifende internationale multilinguale Theater- und Konzertprojekte z.B. mit T-Werk Potsdam, Kleist Forum, Berliner Symphoniker etc. bewusst auch an kleinen Standorten im ländlichen Raum (Phronesis Diskurswerkstatt, Brandenburg). Ziel ist, gesellschaftlich relevante Themen in anspruchsvolle Kunstprojekte umzusetzen und dabei aktiv die Interaktion und die Gespräche mit dem Publikum zu suchen. Rechercheprozesse sind immer Teil der Projekte, um den kulturellen Austausch zu fördern und Sprach- und Kulturbarrieren abzubauen. teatreBLAU wechselt bewusst die Produktionsstätten, um immer lokale und internationale Akteure zu verbinden. In den letzten drei Jahren waren Diktatur, die kulturelle Geschichte von Damaskus und die veränderten Produktionsbedingungen in der Landwirtschaft Themen der performativen Theaterarbeit. Im „Digital Landscape Theater“ arbeitet das internationale Team daran die Parallelen von Veränderungen in der Landwirtschaft europäischer Regionen sichtbar zu machen und stellt sie den Umbrüchen im Theater (verschärft durch COVID 19) gegenüber. Regelmäßige Vermittlungsprojekte und Diskussionen begleiten die Aufführungen. Das Publikum ist altersmäßig gemischt und setzt sich aus ländlichem und großstädtischem Publikum zusammen.

 

  • Künstlerische Leitung / Projektleitung / Bühnenraum: Katja Lebelt
  • Künstlerische Leitung / Musikalische Leitung: Jürgen Bruns
  • Regie: Biel Ramis Jòrda
  • Orchester: Preußisches Kammerorchester
  • Video: Santiago Stankovic
  • Animation: Lukas Thiele
  • Kostüme: Maria Miró
  • Arrangement: Tobias Leppert
  • Produktionsassistenz und Übersetzung: Charlotte Heyse
  • Musikpädagogik und Produktion: Anne Kathrin Meier
  • Licht und Technik: Pepe Gelabert
  • Social Media und Grafik: Charlotte Heyse / Javier Tubert
  • Korrepetition: N.N. , Insa Bernds
  • FANG-NI-AN: Constanze Jader (Mezzosopran)
  • KE-KI-KA-KO: Yichi Xu (Tenor)
  • KI-KE-RI-KI: Shokri Francis Raoof (Bassbariton)
  • TSI-TSEN-PO-PO: Maia Planas (Sopran)
  • Aufführungsmaterial: Boosey & Hawkes
  • Deutsche Fassung: Jean Abel